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22. Mai: Internationaler Tag der Artenvielfalt/ Biodiversität

Der Begriff Biodiversität – oder auch biologische Vielfalt – hat sich seit etwa 25 Jahren in der wissenschaftlichen und politischen Diskussion durchgesetzt, weil er den natürlichen Reichtum der Erde treffend umschreibt: Biodiversität umfasst die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten, die genetische Vielfalt innerhalb der Arten und die Vielfalt der Ökosysteme. Auch wir Menschen sind Teil davon. Die heutige biologische Vielfalt auf der Erde hat sich im Laufe von Millionen Jahren entwickelt. Sie wird ergänzt durch die landwirtschaftliche biologische Vielfalt, die über mehrere Jahrtausende von Ackerbauern, Viehzüchtern und Gärtnern geschaffen wurde.

Biologische Vielfalt gilt als Voraussetzung für intakte und funktionsfähige Ökosysteme. Diese bieten Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen und bilden unsere natürliche Existenzgrundlage: Sie liefern Nahrungsmittel, Baumaterialien, Energiequellen und Wirkstoffe für Arzneimittel. Sie regulieren das Klima und sind wichtig für Bodenbildung, Nährstoffkreislauf und sauberes Trinkwasser. Der Schutz der biologischen Vielfalt ist daher unverzichtbar für die wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung heutiger und künftiger Generationen.

Biologische Vielfalt schwindet rapide

In der Erdgeschichte hat es immer wieder Phasen gegeben, die durch ein massives Artensterben gekennzeichnet waren, etwa nach Naturkatastrophen. Doch seit dem 17. Jahrhundert wird der Rückgang der biologischen Vielfalt in erster Linie durch menschliches Handeln verursacht. Wesentliche Ursachen für den anhaltenden Verlust der Biodiversität sind Übernutzung und Verschmutzung, Änderung der Landnutzung, Verdrängung angestammter durch eingewanderte („invasive“) Arten sowie der Klimawandel.

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Verlust von Arten und Lebensräumen dramatisch beschleunigt. Durch die genannten Eingriffe gehen genetische Ressourcen und Nutzungsmöglichkeiten unwiderruflich verloren, auch solche, die bisher noch nicht einmal erforscht sind. Bewährte Kulturpflanzen, Nutztiere und Heilpflanzen verschwinden, weil sie – scheinbar – nicht mehr gebraucht werden. Gemeinsam mit ihnen geht traditionelles Wissen verloren – und auch der Teil der Kultur, der von den verschwundenen Arten geprägt wurde.

Besonders davon betroffen sind jene indigenen Bevölkerungsgruppen, die ihre Lebensweise über Jahrtausende hinweg an die natürliche Umgebung angepasst haben und deren Existenzgrundlagen durch den Rückgang biologischer Vielfalt bedroht sind.

Seit einigen Jahrzehnten verringert sich die Biodiversität dramatisch. Natürliche Lebensräume wie Wälder oder Korallenriffe gehen verloren. Besonders deutlich wird dies in den 35 sogenannten „Hotspots der Biodiversität“ weltweit. Dies sind Regionen, die einen hohen Prozentsatz endemischer – also nur dort vorkommender – Tier- und Pflanzenarten aufweisen und die gleichzeitig besonders bedroht sind. So ist zum Beispiel der brasilianische Atlantikregenwald auf nur etwa acht Prozent seiner ursprünglichen Fläche geschrumpft. Die Abholzung in diesem Gebiet begann bereits im 17. Jahrhundert – allerdings wurde in den letzten 50 Jahren ebenso viel Fläche gerodet wie in den drei Jahrhunderten zuvor.

Die Fakten sind besorgniserregend: Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) stuft fast 30 Prozent der in der Roten Liste erfassten rund 86.000 Arten als „gefährdet“ ein (Stand: Mai 2017). Da noch längst nicht alle Arten entdeckt und beschrieben sind, dürfte die Dunkelziffer weitaus höher liegen. Auch die Aussterberate hat sich massiv erhöht. Und der Artenverlust betrifft nicht nur wild lebende Tiere und Pflanzen – auch alte Kulturpflanzen und Haustierrassen verschwinden, weil sie den Ansprüchen der modernen Landwirtschaft nicht mehr genügen.

Ursachen für den Verlust der Biodiversität

Die Gründe für diese rasante Verminderung sind vielschichtig: Die zu intensive Nutzung der natürlichen Ressourcen durch eine wachsende Weltbevölkerung und die Umwandlung natürlicher Ökosysteme in Nutzflächen gehören zu den wichtigsten Ursachen. Wenn diese Prozesse ungebremst weitergehen, werden sie schwerwiegende Folgen für unser aller Leben haben: Durch den Verlust von Arten und Ökosystemen gehen wichtige Leistungen der Natur verloren, zum Beispiel die Bereitstellung von sauberem Wasser, fruchtbaren Böden, genetischen Ressourcen und der natürliche Schutz vor Fluten und Überschwemmungen.

Klimawandel

Der Klimawandel gefährdet das empfindliche Gleichgewicht vieler Ökosysteme. Korallenriffe, Bergregionen und die Polargebiete sind schon heute sichtbar beeinträchtigt. Je größer die Biodiversität eines Ökosystems ist, desto besser kann es sich an Veränderungen anpassen – und damit die Folgen des Klimawandels für den Menschen abmildern. Korallenriffe und Mangrovenwälder schützen zum Beispiel Küstengebiete vor Sturmfluten und einem ansteigenden Meeresspiegel. Sie erbringen dadurch ähnliche Leistungen wie beispielsweise ein Deich, sind aber kostengünstiger. Tier- und Pflanzenarten, die heute wenig Beachtung finden oder noch gar nicht bekannt sind, könnten vielleicht unter geänderten Klimabedingungen in der Zukunft eine große Bedeutung erlangen.

Um den Klimawandel zu bremsen, muss einerseits der Ausstoß von Treibhausgasen, vor allem von Kohlenstoffdioxid, deutlich reduziert und andererseits deren Anteil in der Atmosphäre vermindert werden. Auch dafür ist biologische Vielfalt unerlässlich: Artenreiche Ökosysteme wie Meere, Wälder, Moore und Korallenriffe sind in der Lage, Kohlenstoffdioxid zu binden. Sie spielen damit eine zentrale Rolle bei der Regulierung des Klimas – auf regionaler und globaler Ebene.

Invasive Arten

Eine weitere Bedrohung für die biologische Vielfalt besteht darin, dass immer mehr Arten in Lebensräume vordringen, in denen sie ursprünglich nicht heimisch waren. Man spricht von „invasiven“ Arten.

In einem begrenzten Rahmen ist dieses Phänomen natürlich – es hat sich aber in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verstärkt. Ursachen sind der weltumspannende Handel und Tourismus, durch den Arten zufällig oder absichtlich an neue Orte gebracht werden, aber auch der Klimawandel, der geeignete Lebensbedingungen für die Neuankömmlinge schafft.

Die Verantwortung für den Erhalt der Biodiversität tragen die Entwicklungs- und Industrieländer gemeinsam. Politische Entscheidungsträger, privatwirtschaftliche Akteure, die Zivilgesellschaft und die Wissenschaft müssen sich gemeinsam und langfristig engagieren, damit unsere Lebensgrundlagen nicht zerstört werden.

Qelle:bmz.de

Es liegt an UNS ALLEN, uns zu engagieren und für die Erhaltung der Artenvielfalt zu kämpfen. Auch unser tägliches Konsumverhalten hat bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Biodiversität!

Nicht nur reden, HANDELN!