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24.04. Internationaler Tag des Versuchstiers

Der Internationale Tag des Versuchstieres wurde erstmals am 24. April 1962 begangen. Er geht auf die Initiative von Lady Dowding zurück, die in einer britischen Tierschutzbewegung aktiv war. Sie engagierte sich besonders gegen Tierversuche in der Kosmetik. Zu Ehren ihres Mannes wählte sie seinen Geburtstag zum Internationalen Tag des Versuchstieres.

Der Deutsche Tierschutzbund erinnert jedes Jahr zum Tag des Versuchstieres daran, dass immer noch Millionen Tiere in Versuchen leiden und sterben müssen

Warum werden Tierversuche durchgeführt? Tierversuche dürfen theoretisch dann durchgeführt werden, wenn sie moralisch vertretbar sind. Das sind sie in der Regel, wenn zu erwarten ist, dass aufgrund eines Tierversuches ein bedeutendes Ergebnis zu erwarten ist, welches aus humanmedizinischer Sicht wichtig ist. Eine Ethikkommission entscheidet über die Durchführung eines Versuches.

Statistiken zu Tierversuchen

Der „Verbrauch“ von Tieren in Versuchen ist in Deutschland weiter angestiegen: 2016 wurden insgesamt 2.854.586 Wirbeltiere und Kopffüßer (Kraken und Tintenfische) für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Das ist ein Anstieg um 2 Prozent (54.625). In Versuchen wurden 2016 vor allem Nager (79 Prozent) und Fische (12 Prozent) verwendet. Aber auch 3.976 Hunde, 2.418 Affen und 766 Katzen kamen zum Einsatz. Insgesamt 114.824 Tiere mussten nach Einschätzung der Wissenschaftler den höchsten Grad an Schmerzen, Leiden und Schäden erleiden.

Im Vergleich zum Vorjahr ist es weder gelungen, die Gesamtzahl noch den prozentualen Anteil der Tiere zu reduzieren, die den höchsten Schweregrad durchlitten haben.

Leider werden bei der statistischen Erfassung in der EU und in Deutschland viele Tiere gar nicht erfasst. Sie werden im Überschuss in den Laboren produziert und häufig einfach getötet, wenn sie aus Forschersicht nicht das passende Alter, das richtige Geschlecht oder die gewünschte Erbinformation aufweisen.

Tierversuche für Kosmetik

Jahrzehntelang hat sich der deutsche Tierschutzbund dafür eingesetzt, dass die Verbrauchersicherheit von Kosmetika und deren Inhaltsstoffen nicht an Tieren getestet werden. Denn bei der Fülle an Kosmetikangeboten und bereits verfügbaren Inhaltsstoffen gibt es keine Rechtfertigung, immer weiter Tiere zu quälen und zu töten, um ständig neue Produkte zu entwickeln.

In Deutschland hatte der Einsatz des Deutschen Tierschutzbundes bereits 1998 Erfolg: Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet seitdem Tierversuche für die Entwicklung von Kosmetika. Tierversuche für neue kosmetische Inhaltsstoffe sind seit März 2009 auch in der EU abgeschafft.

Doch leider gibt es eine gravierende Lücke im EU-Recht: Die Tierversuchs-Verbote beziehen sich laut Klarstellung der EU-Kommission nur auf Inhaltsstoffe, die ausschließlich für kosmetische Zwecke eingesetzt werden. Kosmetikhersteller dürfen auch zukünftig chemische Substanzen verwenden, die in anderen Produkten wie Reinigungsmitteln, Wandfarben oder Medikamenten eingesetzt werden, da in diesen Bereichen gesetzliche Regelungen leider nach wie vor zur Marktzulassung eine Prüfung der Stoffe in Tierversuchen vorschreiben. Leider betrifft dies die Mehrzahl der Inhaltsstoffe.

Tierversuche für Kosmetika müssen konsequent und umfassend verboten werden. Dass es auch ohne immer neues Tierleid geht, zeigt die Kosmetik-Positivliste des Deutschen Tierschutzbundes. Die darin aufgeführten Hersteller führen keine Tierversuche durch und verwenden nur Inhaltsstoffe, die seit 1979 nicht mehr im Tierversuch getestet wurden.

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Augenreizungstest

Versuche an Affen

Mehr als 10.000 hoch entwickelte Affen, unsere nächsten Verwandten im Tierreich, leiden und sterben Jahr für Jahr in Tierversuchslabors der Europäischen Union. In Deutschland sind es allein fast 2.500 Affen.

Den Tieren werden Elektroden ins Gehirn gepflanzt. Sie werden mit schweren Krankheiten infiziert, mit Substanzen voll gepumpt, deren Giftigkeit geprüft werden soll, oder für die Produktion und Qualitätskontrolle von Impfstoffen getötet.

Diese Versuche an Primaten sind von sehr zweifelhaftem wissenschaftlichem Wert. Dem gegenüber stehen starke Schmerzen und Leiden der Tiere, wenn sie, in Primatenstühlen fixiert, unter Zwang Aufgaben durchführen müssen, an den Symptomen einer künstlich hervorgerufenen Krankheit leiden oder ihr Körper vergiftet wird. Selbst da, wo einsatzfähige Alternativmethoden vorhanden sind, werden weiterhin Experimente an Affen durchgeführt.

Zusätzlich zu den Belastungen im Versuch wirft die Herkunft und Haltung der Tiere erhebliche ethische Probleme auf. Noch immer werden Primaten aus der Wildnis gefangen und nach Europa importiert. Häufig fristen die Versuchsaffen in Europa ihr Dasein ohne Kontakt zu Artgenossen in Käfigen, die so klein sind, dass die Tiere sich nicht frei bewegen, oft nicht einmal aufrichten können.

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Tierversuche in der Lebensmittelbranche

Herstellerfirmen können Tierversuche durchführen, etwa um ihre Produkte gewinnbringender zu vermarkten oder intern auf gesundheitliche Auswirkungen zu testen. Für gentechnisch veränderte Pflanzen werden Fütterungsversuche an Tieren durch EU-Recht sogar gesetzlich vorgeschrieben, um schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit zu untersuchen.

Diese Fütterungsversuche werden zumeist an Ratten oder Mäusen durchgeführt. Bis zu 90 Tage lang wird den Tieren der zu untersuchende Stoff ins Futter bzw. ins Trinkwasser gemischt und die Auswirkungen auf die Tiere protokolliert. Am Ende aller Versuche müssen die Tiere sterben und die Forscher untersuchen ihre Organe.

Fütterungsversuche sind ethisch fragwürdig, weil sie Tod und Leiden von Tieren für rein kommerzielle Zwecke billigend in Kauf nehmen. Und sie schaffen letztlich nicht die erhoffte Sicherheit für Anwender und Verbraucher: Sie erbringen lediglich den Nachweis, wie Nagetiere auf diese Lebensmittel reagieren. Weder zeigen sie, dass der menschliche Körper genauso damit umgeht, noch belegen sie umgekehrt, dass Bestandteile, auf die diese Tiere nicht reagieren, auch für den Menschen unbedenklich sind.

Bei gentechnisch veränderten Pflanzen besteht zusätzlich das Risiko, dass sie sich negativ auf das Ökosystem auswirken. Dies kann nicht durch das Verfüttern an Nagetiere herausgefunden werden.

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Tierversuche für Biozide

Die im September 2013 in Kraft getretene EU-Biozid-Verordnung 528/2012/EU regelt, dass Biozide grundsätzlich erst in den Handel gelangen dürfen, wenn die möglichen Risiken für Mensch und Umwelt durch Giftigkeitsprüfungen ausgeschlossen wurden und eine behördliche Zulassung vorliegt. Die leider auch in der EU-Biozid-Verordnung immer noch vorgeschriebenen Giftigkeitsprüfungen an Tieren gehören zu den grausamsten Tierversuchen, da die Tiere den giftigen Stoffen direkt ausgesetzt werden, um die Wirkung zu beobachten und oftmals der Tod der sogenannten „Schädlinge“ die gewünschte Wirkung ist.

Weil diese Stoffe so gefährlich sind, sollen die Tests an Tieren auch dazu dienen, mögliche Gefahren für den Menschen abzuschätzen. Dabei lassen sich die Testergebnisse meist gar nicht eins zu eins auf den Menschen übertragen. Bislang mussten bis zu 6.000 Tiere für Tests mit Wirkstoffen und fertigen Biozid-Produkten ihr Leben lassen

Alternative Verfahren

Tierversuchsgegnern wird häufig unterstellt, den wissenschaftlichen Fortschritt unserer Gesellschaft bremsen zu wollen oder das Wohl der Tiere über das des Menschen zu stellen. Das Gegenteil ist aber der Fall: Tierversuche sind nicht nur aus ethischer Sicht abzulehnen, sondern sie liefern in der Regel Ergebnisse, die nur schwer auf den Menschen übertragbar oder von vorneherein medizinisch irrelevant sind. Tierversuchsfreie Test- und Forschungsmethoden, oft als „Alternativmethoden“ bezeichnet, hingegen werden von vorneherein dafür entwickelt, spezifische Fragestellungen präzise beantworten zu können. Der „Umweg“ über eine andere Spezies wird ausgelassen, stattdessen wird mittels hochmoderner Verfahren unmittelbar mit Blick auf den menschlichen Patienten geforscht.

Trotz unzähliger Ansätze hat der Sektor der tierversuchsfreien Test- und Forschungsverfahren nach wie vor mit massiven Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese beginnen bei der finanziellen Förderung durch Staat und Wirtschaft, die nur einen Bruchteil dessen beträgt, was jährlich in irreführende und grausame Tierversuche investiert wird. Des Weiteren müssen neu entwickelte Verfahren langwierige und teure Überprüfungen bis zu ihrer Zulassung durchlaufen. Die meisten etablierten Tierversuche haben übrigens kein Zulassungsverfahren durchlaufen, sondern wurden irgendwann eingeführt und einfach immer weiter beibehalten. Allein schon dadurch sind sie methodisch den neuen tierversuchsfreien Methoden oft weit unterlegen.

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Tierversuche abschaffen

Tierversuche sollten daher aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen gesetzlich verboten werden. Wer aber nur Verbote fordert, wird nicht ernst genommen. Daher mischt sich der Deutsche Tierschutzbund ein und liefert die Fakten. Er diskutiert gemeinsam mit Politikern sowie Wissenschaftlern und Vertretern aus Industrie und Behörden darüber, wo Tierversuche aus Vorschriften gestrichen werden und durch tierversuchsfreie Methoden ersetzt werden können. Der Deutsche Tierschutzbund ist präsent, wenn es gilt, neue Tierversuche zu verhindern und tierversuchsfreien Methoden zum Durchbruch zu verhelfen.

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                                                                                                                                                                                                                                                                                                           Quelle: Deutscher Tierschutzbund