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Kaninchenleid zur Osterzeit

Für viele gehört zum traditionellen Osterfest der Kaninchenbraten dazu. Allerdings hat das Leben der 25 Millionen Mastkaninchen, die hier in Deutschland gehalten und geschlachtet werden, nichts mit der Idylle vom frei hoppelnden Kaninchen zu tun. Zur Erzeugung von Kaninchenfleisch werden die Tiere in engen eintönigen Drahtkäfigen über mehrere Etagen gehalten. In der beengten Haltung sind die bewegungsfreudigen Tiere nahezu zur Bewegungsunfähigkeit verdammt. Hoppeln, Sprünge, „Männchenmachen“ sind nicht möglich. Die Folge sind schmerzhafte Wirbelsäulenverkrümmungen und Gelenkprobleme.Um das Mastgewicht schneller zu erreichen, erhalten die Kaninchen vorwiegend nährstoffreiches Trockenfutter, das in Pellets gepresst ist. Dies führt zu massiven Verdauungsstörungen und Magen-Darm-Erkrankungen, den häufigsten Todesursachen bei Kaninchen.

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Quelle: Deutscher Tierschutzbund

Kaninchen sind sozial lebende Tiere, die in selbstgebauten Höhlen in Familiengruppen von zwei bis fünf Weibchen und einem Bock leben. Gemeinsames Ruhen, soziale Körperpflege, Springen, Laufen und häufige Nahrungsaufnahme bestimmen den Tagesrhythmus. Kaninchen nehmen unter natürlichen Bedingungen mit 60 bis 90 Mahlzeiten pro Tag vorwiegend ballaststoffreiche Nahrung wie z. B. Heu, Gras, Stroh zu sich. Kaninchen können auch unter gewerblichen Bedingungen tiergerecht gehalten werden:

  • Gruppenhaltung im Stall mit Weideauslauf für mehrere Weibchen und einen Bock
  • reduzierte Besatzdichte, die zusammenhängende Hoppelsprünge ermöglicht
  • eingestreute und strukturierte Umgebung mit Fress-, Ruhe- und Aufenthaltsbereich
  • Artgemäße Fütterung mit Heu, Grünfutter, Obst und Gemüse
  • Objekte zum Benagen wie Äste, Rindenstück etc.

Derzeit werden solche Haltungssysteme für Kaninchen bereits teilweise in der Schweiz eingesetzt. In Deutschland gibt es vergleichbare Haltungssysteme in größerem Stil bisher nicht. Das muss sich ändern!

Im September 2013 wurde eine Mastkaninchenverordnung verabschiedet. Am 11. August 2014 traten die Regelungen in Kraft. Aus Sicht des Deutschen Tierschutzbundes sind diese zwar ein erster Schritt, doch es sind dringend Nachbesserungen erforderlich, um die Tiere vor Gesundheits- und Verhaltensschäden zu schützen. Denn: Die Käfighaltung ist weiterhin möglich, die Platzvorgaben sind zu gering und auch ein Freilauf ist nicht vorgesehen. Wir rufen daher alle Verbraucherinnen und Verbraucher auf, auf den Verzehr von Kaninchenfleisch zu verzichten oder den Osterbraten beim Bauern des Vertrauens zu holen.

Quelle: Deutscher Tierschutzbund