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Von Osterhasen und Ostereiern

Nur noch wenige Tage, dann ist endlich soweit: Ostern steht vor der Tür.

Ab sofort können die Winterreifen mit gutem Gewissen gewechselt werden, denn Schneefall ist ab jetzt verboten! Auch die beschwerliche Fastenzeit hat ein Ende und die bunten Schokohasen, die seit Ende Januar in den Supermarktregalen versauern sind von heute auf morgen so gut wie ausverkauft.

Aber das wichtigste: ER kommt! Verlässlich wie jedes Jahr bringt er bunt bemalte Ostereier- der Osterhase!

Aber warum eigentlich? Wäre es nicht logischer, dass der Eierproduzent, sozusagen das Osterhuhn, seine Werke gleich selbst nach Hause liefert?

Stimmt! Hier kommen zwei Konzepte zusammen, die ursprünglich eigentlich gar nichts miteinander zu tun haben.

Das Ei ist schon in vorchristlicher Zeit ein Symbol der Fruchtbarkeit und steht bei den Christen für die Auferstehung Jesu. Seit dem Mittelalter war der Verzehr von Fleisch, Milch und Eiern während der Fastenzeit verboten. Gleichzeitig legten die Hennen im Frühling mehr Eier als sonst. Um das Überangebot von Eiern dennoch zu nutzen und nichts verkommen zu lassen, wurden sie gekocht und zu Ostern verbraucht und verschenkt. Bis heute hält man an dieser Tradition fest.

Und der Hase? Auch er gilt seit jeher als Symbol für Fruchtbarkeit. Bei den alten Griechen wurde er als Zeichen für Erneuerung verehrt und auch die Germanen sollen ihrer Frühlingsgöttin Eostre einen Hasen als Begleitung an die Seite gegeben haben. Je nach Region brachten in der Vergangenheit aber auch andere Tiere, wie  Fuchs, Kuckuck oder Storch die Ostereier. Erst in den letzten Jahrzehnten konnte sich der Hase als Ostereierlieferant durchsetzen, was er auch seinem niedlichen Aussehen zu verdanken hat, welches mehr und mehr von der  Schokoladen- und Spielzeugindustrie aufgegriffen wurde, wodurch sich der Osterhase zum Star der Osterzeit mauserte.

Die niedlichen Langohren, die heutzutage durch die Werbepausen hoppeln um das Osterfest einzuleiten, haben allerdings so wenig mit einem echten Osterhasen zu tun, wie der der Nikolaus mit dem Weihnachtsmann. Statt einem richtigen (Oster)Hasen- groß, schlank, mit langen kräftigen Hinterbeinen, langen Ohren und eher unscheinbarer brauner Farbe, bekommen wir im Fernsehen und in bunt geschmückten Einkaufszentren fast ausschließlich Kaninchen zu Gesicht. Und warum?  Der echte Meister Lampe ist ein Wildtier! Er gehört einfach nicht ins Rampenlicht. Und darüber hinaus ist er mancherorts schon eine richtige Rarität geworden.

Denn rosig sind die Zeiten nicht für die Feldhasen. Die Langohren brauchen Feld, Wald und Wiese als Lebensraum. Durch die intensive Nutzung der landwirtschaftlichen Flächen verliert der Feldhase vielerorts seine natürlichen Lebensgrundlagen. Es fehlt ihm an Platz und an Nahrung (Wildkräuter). In manchen Regionen stehen Feldhasen sogar auf der Roten Liste und gelten als „gefährdet“. Aber nicht nur der Mensch stellt aufgrund seiner Lebensumstände ein Problem (nicht nur) für den Feldhasen dar, auch Wetterkapriolen und eine große Population natürlicher Fressfeinde machen den Feldhasen zu schaffen. Dabei könnte alles so einfach sein…

Durch die Anlage von Blühstreifen und Hecken könnten ein erweitertes Nahrungsangebot und Rückzugsmöglichkeiten für die sympathischen Langohren geschaffen werden und auch andere Tierarten und Insekten würden davon profitieren. Eine Extensivierung der Landwirtschaft ist dringend notwendig, NICHT NUR um den Feldhasen zu schützen! Es gilt heute, mehr denn je, ökologische, nachhaltige Agrarwirtschaft zu unterstützen und voranzubringen. Wir (Verbraucher, Bauern(verbände) und Politik) müssen an einem Strang ziehen sonst wird sie karg und düster, unsere Zukunft- und die unserer Kinder!

Und wer will schon Ostern ohne den Osterhasen?