Zurückgelassen, verwahrlost, verhungert

Zu den weniger schönen Aufgaben der Tierschutzarbeit gehört auch, vernachlässigte Tiere aus verwahrlosten Wohnungen zu befreien. Manchmal werden die Besitzer krank, sind nicht mehr in der Lage, sich um ihre Tiere zu kümmern und schämen sich, Hilfe anzunehmen. Manchmal sind es Animal Hoarder, die den Überblick verlieren und Wohnung und Tiere verkommen lassen. Manchmal sind es aber leider einfach Menschen, denen ihre Tiere egal sind und die sie einfach zurück lassen.

Mitte Januar wurden wir wieder zu einem solchen Fall gerufen. Ein Vermieter musste eine Wohnung räumen, nachdem der Mieter sich einfach aus dem Staub gemacht und seine vier Katzen zurückgelassen hatte. Es ist zwar leider keine Seltenheit, dass wir in verwahrloste Wohnungen kommen, dennoch bot sich unserer Mitarbeiterin ein verstörender Anblick.

Die vermüllte Wohnung war übersät mit Kot und stank bestialisch, weil die sonst so reinlichen Tiere mangels einer sauberen Toilette überall ihr Geschäft verrichteten. Offenbar war der Halter der Meinung, die Tiere könnten sich selbst versorgen und ließ sie mit verschlossenen Trockenfutterpackungen zurück, die die Tiere in ihrem Hunger selbst aufrissen. Doch es war nicht genug. Inmitten von Chaos und Kot lagen zwei tote Katzen, elendig verhungert und verdurstet. Eine dritte Katze lag im Sterben, zeigte kaum ein Lebenszeichen und wurde zusammen mit dem letzten Kater, der zwar extrem mager, aber immerhin stabil war, ins Tierheim verbracht. Trotz aller Bemühungen unserer Tierärztin verstarb die stark geschwächte Katze aber kurz darauf.

Der überlebende Kater, von uns Ludwig genannt, wurde vorsichtig angefüttert, frisst mittlerweile normal, nimmt kontinuierlich zu und erholt sich von den Strapazen. Seine anfängliche Angst hat sich gelegt und er genießt jede Aufmerksamkeit. Noch ist er nicht vermittelbar; wenn es ihm aber wieder richtig gut geht, freut er sich auf ein neues Heim mit Artgenossen.

Noch ziemlich dünn, aber schon sehr neugierig – Kater Ludwig

Fälle wie dieser sind leider nicht ungewöhnlich, aber vor Allem vermeidbar. In einer Notlage kann man sich immer an uns wenden; es gibt immer eine bessere Lösung, als die Tiere sich selbst zu überlassen.